Left
  • Photo: Felix Broede
Right

In Hamburg zu erleben: Kent Nagano

Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent

Kent Nagano gilt als einer der herausragenden Dirigenten sowohl für das Opern- als auch das Orchesterrepertoire. Seit September 2006 ist er Music Director des Orchestre symphonique de Montréal (OSM). Mit der Spielzeit 2015/16 begann er seine Amtszeit als Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper sowie als Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Seit 2006 ist er Ehrendirigent des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin sowie seit 2019 Ehrendirigent von Concerto Köln, dem auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Orchester, mit welchem er das Projekt „Wagner Lesarten“ musikalisch leitet.

Der Oktober 2019 beginnt für Kent Nagano und das OSM mit einer ausgedehnten Tournee durch Lateinamerika, u.a. nach Sao Paolo, Rio de Janiero, Buenos Aires, mit der Violinistin Veronika Eberle und Werken von Brahms, Bartok, Mahler und Mozart. Am Ende dieser Serie von sieben Konzerten nach Lateinamerika werden Kent Nagano und das OSM am 15. Oktober im Symphony Centre in Chicago gastieren, auf dem Programm stehen Werke von Prokofiev, Rachmaninoff (Solist Denis Matsuev) und Bartok. Im Januar 2020 veranstaltet das Orchester unter Kent Naganos Leitung erstmals ein Schubert-Festival in Montreal, bei dem u.a. sämtliche Symphonien des Komponisten aufgeführt werden. Weitere Highlights der Saison 2019/20 in Montreal sind ein Konzert mit Werken von Messiaen und Faurés Requiem sowie eine Wiedereinladung des Orchesters und seines Music Directors in die New Yorker Carnegie Hall. Im Sommer findet zudem zum 9. Mal das von Kent Nagano ins Leben gerufene Festival Virée Classique / Classical Spree statt.

In Hamburg hält die Saison 2019/20 für Kent Nagano zum Saisonauftakt im September die Premiere von Schostakowitschs Die Nase in einer Inszenierung von Karin Beier an der Hamburgischen Staatsoper bereit. Im April 2020 folgt die Premiere von Strauss‘ Elektra, inszeniert von Dmitri Tcherniakov, sowie wenig später im Rahmen des Internationalen Musikfests Hamburg Olivier Messiaens Kult-Oper Saint François d’Assise in einer eigens für die Elbphilharmonie entwickelten szenographischen Version von Georges Delnon. Mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg führt Kent Nagano im Oktober 2019 eine Tournee nach Japan. Im Januar 2020 präsentieren er und das Orchester in der Elbphilharmonie die Welt-Uraufführung von Pascal Dusapins Werk „Waves“ für Orgel und Orchester.

Für Gastspiele ist Kent Nagano in der Saison 2019/20 u.a. beim Orchestre Philharmonique de Radio France, zu Konzerten mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin in München und Berlin, bei den Wiener Symphonikern, dem NHK Symphony Orchestra, dem Olso Philharmonic Orchestra und bei den Münchner Philharmonikern. Mit Concerto Köln führt er das wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Wagner-Lesarten“ fort, in dem Richard Wagners Der Ring des Nibelungen erstmals aus der Perspektive und mit Methoden der historisch informierten Aufführungspraxis erarbeitet und aufgeführt werden soll.

Ein Höhepunkt von Kent Naganos Zusammenarbeit mit dem OSM war die Einweihung des neuen Konzertsaals Maison symphonique im September 2011. Im Oktober 2016 brachte er in Montréal eine Auftragskomposition von José Evangelista zum 50. Jahrestag der Metro Montréal zur Ur- und eine halbszenische Matthäus-Passion im November zur Aufführung. In den Vorjahren führte Nagano zusammen mit dem Orchester die kompletten Zyklen der Symphonien von Beethoven und Mahler, Schönbergs Gurrelieder, konzertante Versionen von Wagners Tannhäuser, Tristan und Isolde und Das Rheingold, Honeggers Jeanne d’Arc au Bûcher sowie Messiaens Saint François d’Assise auf. Tourneen führten Nagano und das Orchester nach Kanada, Japan, Südkorea, Europa, Südamerika und durch die USA, mit Stops in Washington, Boston und New York. Zuletzt waren er und das Orchester im März 2019 auf großer Europa-Tournee u.a. in Berlin, München, Hamburg, Paris und Wien. Im Juli 2018 dirigierte Kent Nagano das Orchester mit der Lukas-Passion von Krzysztof Penderecki beim Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele.

Zu seinen Einspielungen mit dem OSM bei Sony Classical/Analekta gehören Mahlers Orchesterlieder mit Christian Gerhaher (2013), Beethovens Klavierkonzerte Nr. 4 und 5 (2010) sowie eine Gesamtaufnahme aller Symphonien von Beethoven. Die Aufnahme mit Beethovens Symphonie Nr. 5 unter dem Titel Ideals of the French Revolution wurde mit dem Juno Award ausgezeichnet. Im März 2016 erschien bei Decca die von Nagano im März 2015 dirigierte Nordamerika-Premiere von L’Aiglon auf CD, einer selten aufgeführten Oper von Honegger und Ibert. Ferner erschien bei Decca im Herbst 2016 seine Einspielung Danse Macabre mit Werken von Dukas, Saint-Saens, Ives u.a. sowie im Juni 2018 die Einspielung von Bernsteins A quiet place anlässlich des 100. Geburtstagsjubiläum des Komponisten. Im Herbst 2019 erscheint die Einspielung von John Adams’ Common tones in simple time & Harmonielehre bei Decca und Ende 2019 die Lukas-Passion von Penderecki bei BIS.

Höhepunkte von Kent Naganos Zeit in Hamburg waren bisher die Premiere der Oper Les Troyens von Berlioz, die Uraufführung Stilles Meer von Hosokawa, die Premiere von Messiaens Turangalîla mit dem Hamburg Ballett, choreographiert von John Neumeier, die Premieren von Wagners Parsifal, von Beethovens Fidelio sowie die „Philharmonische Akademie“, ein Projekt in der Tradition der musikalischen Akademien des 18./19. Jahrhunderts, weiterhin die Tourneen nach Südamerika und Spanien mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, die Dirigate der Premieren von Bergs Lulu und von Strauss‘ Frau ohne Schatten sowie die Uraufführung des Oratoriums ARCHE von Jörg Widmann anlässlich der Elbphilharmonie-Eröffnung im Januar 2017, deren Live-Mitschnitt im Herbst 2018 beim Label ECM auf CD erschienen ist.

Als vielgefragter Gastdirigent arbeitet Kent Nagano weltweit mit den führenden internationalen Orchestern, u.a. mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Münchner Philharmonikern, dem London Symphony Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem NHK Symphony Orchestra, dem Finnischen Rundfunkorchester, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und dem Chicago Symphony Orchestra. 2014-2016 gestaltete er im Rahmen der AUDI-Sommerkonzerte ein eigenes Festival, das Vorsprung-Festival. Weitere besondere Projekte waren die Produktionen von Mozarts Idomeneo mit Concerto Köln und der Bernstein-Oper A quiet place mit dem Ensemble Modern in einer im November 2013 in Berlin uraufgeführten neuen Fassung.

Während seiner Zeit als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper in München von 2006 bis 2013 hat Kent Nagano deutliche Akzente gesetzt. Unter seiner musikalischen Leitung wurden die Opern Babylon von Jörg Widmann, Das Gehege von Wolfgang Rihm und Alice in Wonderland von Unsuk Chin erfolgreich uraufgeführt. Darüber hinaus leitete er Neuproduktionen wie Mussorgskys Boris Godunow und Chowanschtschina, Strauss‘ Ariadne auf Naxos und Die Schweigsame Frau, Poulencs Dialogues des Carmelites, Messiaens Saint François d’Assise, Bergs Wozzeck, George Benjamins Written on skin und Wagners Der Ring des Nibelungen. Tourneen mit dem Bayerischen Staatsorchester führten Nagano und das Orchester durch Europa und nach Japan. Neben Einspielungen der Symphonien Nr. 4 und 7 von Bruckner bei Sony hat Kent Nagano mit dem Bayerischen Staatsorchester verschiedene Opernaufführungen auf DVD veröffentlicht: Unsuk Chins Oper Alice in Wonderland (2008) und Mussorgskys Chowanschtschina (2009) bei unitel classica/medici arts, Dialogue des Carmélites bei Bel Air Classiques (2011) sowie Lohengrin (2010) bei Decca.

Eine weitere wichtige Station in Naganos Laufbahn war seine Zeit als künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin von 2000 bis 2006. Sie führten u.a. Schönbergs Moses und Aron auf (in Zusammenarbeit mit der Los Angeles Opera) und gastierten bei den Salzburger Festspielen mit Zemlinskys Der König Kandaules und Schrekers Die Gezeichneten sowie beim Festspielhaus Baden-Baden mit Parsifal (2004) und Lohengrin (2006), inszeniert von Nikolaus Lehnhoff. Parsifal, Die Gezeichneten und Lohengrin sind auf DVD erschienen. Zu Naganos Aufnahmen mit dem Orchester gehören Bernsteins Mass, Bruckners Symphonie Nr. 3 und 6, Beethovens Christus am Ölberge, Wolfs Mörike-Lieder, Mahlers Symphonie Nr. 8, Schönbergs Jakobsleiter und Friede auf Erden sowie Johannes Brahms Symphonie Nr. 4 und Arnold Schönbergs Variationen für Orchester op. 31, erschienen bei Harmonia Mundi. Als Ausdruck der Verbundenheit ernannte das Orchester seinen scheidenden Chefdirigenten 2006 zum Ehrendirigenten, eine Auszeichnung die in der sechzigjährigen Geschichte des Orchesters erst zum zweiten Mal vergeben wurde. Bis heute verbindet ihn eine enge Freundschaft mit dem Orchester.

2003 wurde Nagano zum ersten Music Director der Los Angeles Opera ernannt, nachdem er bereits zwei Jahre lang Principal Conductor der Oper gewesen war. Zu Produktionen an anderen Opernhäusern gehörten u.a. Schostakowitschs Die Nase an der Staatsoper Unter den Linden Berlin, Rimsky-Korsakoffs Der Goldene Hahn im Châtelet in Paris, Hindemiths Cardillac und Poulencs Dialogues des Carmélites an der Opéra National de Paris sowie Hoffmanns Erzählungen und die Uraufführung von Saariahos L’amour de loin bei den Salzburger Festspielen. Zu den weiteren Uraufführungen, die er dirigiert hat, zählen Bernsteins A White House Cantata sowie die Opern Three Sisters von Peter Eötvös und The Death of Klinghoffer und El Niño von John Adams.

Mit Labels wie Decca, Sony Classical, FARAO Classics und Analekta verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit, aber auch bei BIS, Berlin Classics, Erato, Teldec, Pentatone, Deutsche Grammophon und Harmonia Mundi hat er CDs eingespielt. Für seine Aufnahmen von Busonis Doktor Faust mit der Opéra National de Lyon, Prokofjews Peter und der Wolf mit dem Russian National Orchestra sowie Saariahos L’amour de loin mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin wurde er mit Grammys ausgezeichnet.

Im Oktober 2019 erweitern Kent Nagano und Mari Kodama mit Beethovens Nulltem Klavierkonzert Es-Dur WoO 4, einem nahezu unbekannten Jugendwerk des Komponisten, sowie seinem Rondo für Klavier und Orchester WoO 6 zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin ihre gemeinsamen Aufnahmen von Werken Beethovens für Klavier und Orchester. Die 4-CD-Edition erscheint beim Label Berlin Classics.

Als gebürtiger Kalifornier hält Kent Nagano engen Kontakt zu seiner Heimat. Von 1978 bis 2009 war er Music Director beim Berkeley Symphony Orchestra und ist dort weiterhin als Conductor Laureate tätig. Seine ersten großen Erfolge feierte er 1984 beim Boston Symphony Orchestra, als Messiaen ihn für die Uraufführung seiner Oper Saint François d’Assise zum Assistenten des Dirigenten Seiji Ozawas ernannte. Sein Erfolg in den USA führte zu Berufungen in Europa: von 1988 bis 1998 war er Music Director der Opéra National de Lyon und von 1991 bis 2000 Music Director des Hallé Orchestra.
Seit 2005 ist Kent Nagano Ehrendoktor der McGill University in Montréal, seit 2006 Ehrendoktor der Université de Montréal sowie seit 2018 Ehrendoktor der San Francisco State University.

Hier finden Sie Übersichten der Konzerttermine und Opernvorstellungen mit Kent Nagano in Hamburg.

powered by webEdition CMS